Die Bevölkerung von Indonesien ist in den vergangenen Jahren und Jahrzähnt stark angestiegen, inzwischen leben rund 260 Millionen Menschen in Indonesien. Gut die Hälfte davon leben auf der Insel Java. Auch wenn sich das Bevölkerungswachstum etwas abgeschwächt hat, werden immer noch drei Millionen mehr Menschen geboren, als sterben. Die Bevölkerung von Indonesien ist vergleichsweise jung. Das Medianalter beträgt gerade einmal 29,2 Jahre.

Über 360 Völker gibt es in Indonesien. Die Lebensbedingungen und Traditionen unterscheiden sich stark. Die geografische Lage von Indonesien führt auch dazu, dass äußerst unterschiedlichen Kulturen Einfluss auf das Inselreich nehmen. So gibt es Einflüsse aus Südasien, Indien sowie westliche aus Australien. Seit Beginn der Globalisierung tragen der weltweite Handel und vor allem das Internet immer mehr dazu bei, dass sich die indonesische Kultur äußerlich verändert, im Inneren aber die Traditionen und Gepflogenheiten einzelner historisch gewachsener Gruppen einen immer höheren Wert erhalten. Es ist also wichtig, verbindende Elemente zu erkennen, die von den Menschen in Indonesien, von jeder Ethnie, jeder Bevölkerungsgruppe als verbindend akzeptiert werden.

Relegion

Ungefähr 88 Prozent der Indonesier sind Muslime. Weiter gibt es erstaunlich viele Menschen in Indonesien, welche dem christlichen Glauben folgen, fast 9 Prozent. Etwa zwei Drittel davon sind evangelischen und ein Drittel römisch-katholischen Glauben. In Bali und teilweise auch in Lombok ist der Hinduismus verbreitet. Eine kleine Minderheit folgt den Lehren von Buddha.

Die meisten Muslime in Indonesien sind Sunniten. Etwa 100.000 Menschen sind bekennende Schiiten und eine kleinere Minderheit sind Angehörige der Ahmadiyya.

Dabei unterscheidet sich die Auslegung des Islam in Indonesien stark nach der Region sowie der ethnischen Zugehörigkeit seiner Anhänger. Zu den orthodoxen Muslimen gehören vor allem die Achinesen, die Minangkabau, die Maduresen und die Makassaren. Javaner und Osing praktizieren stattdessen eine eher gemäßigte Form des Islam. Interessant ist auch die Insel Lombok, wo mit dem Wetu Telu (drei Zeiten) eine islamisch-animistische Mischreligion existiert.

Auf Java spielen die Wali Songo, die neun Heiligen, die im 15. und 16. Jahrhundert den Islam auf diese Insel brachten, eine sehr große Rolle. Ihre Grabstätten sind heute bedeutende Wallfahrtsorte.

Auch auf Sumatra und Kalimantans finden sich traditionelle und vorislamische Traditionen und Glaubensvorstellungen.

Soziale Zugehörigkeit

Das in einigen Teilen des Landes verbreitete Kastenwesen wirkt verbindend auf die Menschen in Indonesien. So gibt es zum Beispiel auf Bali vier Kasten, drei höher gestellten Triwangsa und die niedrig gestellte Sudra. Hier gilt auch noch heute, dass Beruf und Ausbildung durch die Kaste geregelt werden und die Kaste die soziale Stellung bestimmt.

Auch wenn das Kastenwesen nicht mehr so streng ist, wie in früheren Zeiten, sagt es doch etwas über die Herkunft der Menschen aus und über deren sozialen Status. Heute geschieht dies ohne den Stempel einer Religions- oder Volkszugehörigkeit.

Politisch hat Indonesien verstanden, dass nicht alle Ethnien und Religionen des Landes auf einen Nenner zu bringen sind. So verfolgt man die Strategie, unterschiedliche Kulturen nicht nur zu respektieren, sondern lokal sogar zu fördern und deren Zukunft zu sichern.

Symbiose aus Kunst und Meditation

Wegen seiner vielfältigen Kulturen und Ethnien bemüht sich Indonesien sehr um die Bewahrung der kulturellen und künstlerischen Traditionen, die in dem Land beheimatet sind.

Gerade weil es nicht möglich war, die äußerst schönen, kunstvoll gestalteten und wertvollen Bauten der vergangenen Jahrhunderte zu erhalten, viele von ihnen sogar unter meterdicken Schlamm- und Lavaschichten liegen, sind die Bewahrung und die Weitergabe von traditionellen Fertigkeiten, Künsten und Erzählungen für die Menschen in Indonesien sehr wichtig. Zu diesen kulturellen Überlieferungen und Fertigkeiten gehören die Bildhauerei und Schnitzerei, die Batikkunst sowie die Malerei. Weiterhin sind für die Bevölkerung Indonesiens die Schmiede- und Keramikkunst sowie das textile Kunsthandwerk sehr wichtig.

Prägend für die Menschen, egal ob sie nun Künstler sind, Kunstliebhaber, Bauern oder Maschinenschlosser, sind die hohe Konzentration bei der Arbeit und die Detailverliebtheit, die im Zusammenspiel immer ein etwas meditatives Resultat erzeugen.

Eine weitere prägende Facette der indonesischen Kunst und Kultur ist die Schauspielkunst, das Wayang. Traditionell gibt es das Schattenspiel, das Maskenspiel und das Spiel mit meistens kunstvoll handgearbeiteten Puppen. Die aufgeführten Schauspiele sind nur wenig mit europäischen Aufführungen vergleichbar. Die Stücke dauern oft von Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang. Dabei konzentrieren sie sich meistens auf die indonesische Geschichte und hinduistische oder buddhistische Erzählungen und Mythen. Sie sind also gleichermaßen Unterhaltung, wie Andacht und Lehrveranstaltung. Die Komplexität dieser Schauspiele ist enorm und somit vergleichbar mit den indonesischen Handwerkskünsten.

Die Meister des Wayang erhalten bei ihren Schauspielen Unterstützung von Gamelan-Orchestern, die hier die meditative Komponente beisteuern.

Auch die Lyrik ist in Indonesien sehr populär. An vielen Orten werden während des ganzen Jahres Lyriklesungen von bekannten Dichtern abgehalten. Oft ist die indonesische Lyrik, wie das Wayang, mit sehr viel Pathos verbunden. An den Lesungen nehmen oftmals mehr als einhundert Zuhörer teil.

Dagegen stößt das Lesen von Büchern in Indonesien auf wenig Interesse. Lediglich Ratgeber, islamische Literatur und einige durchschnittliche Romane finden ihre Käufer. Unter den jüngeren Lesern überwiegt das Interesse an Comics.

Kommunikation in vielen Sprachen

In Indonesien leben nach neuesten Zählungen Menschen aus mehr als 300 Volksstämmen. Dies bedeutet nicht, dass diese sich auch kulturell grundsätzlich unterscheiden. Der überwiegende Anteil der Indonesier ist malaiischer Herkunft. Zu diesen malaiischen Völkern gehören Malaien, Sundanesen, Javaner und Batak. Andere Bevölkerungsteile sind entweder polynesischer Abstammung oder melanesisch (Papua).

So unterschiedlich wie die Kulturen sind auch die Sprachen. Natürlich ist es schwierig in einem Land mit über 300 Ethnien, die alle eine eigene Sprache sprechen, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit oder ein Nationalgefühl zu entwickeln. Doch auch hier gilt wieder das indonesische Motto: „Einheit in der Vielfalt“. Und dieses Motto wird tatsächlich gelebt. Indonesier sprechen selbstbewusst ihren eigenen Dialekt, können aber auch in dem offiziellen indonesisch, dem Bahasa Indonesia, das der austranesischen Sprachfamilie entstammt, problemlos miteinander kommunizieren. Bahasa Indonesia gehört nicht zu den Sprachen, denen eine große Komplexität nachgesagt wird. So lässt sich zum Beispiel der Plural bilden, indem die Wörter verdoppelt werden.

Was alle indonesischen Sprachen gemein haben, ist die fast völlig fehlende Verwendung von Sprechakten. Wenn zum Beispiel Europäer sagen, sie wollen sich an einen runden Tisch setzen, muss dieser Tisch in Indonesien wie in fast gesamt Asien auch rund sein. Oft verwechseln vor allem Europäer dies mit Aberglauben. Es ist jedoch lediglich die Konsequenz der Sprache.

Wichtig ist zudem, dass auch Emotionen nicht universal sind. Wenn wir als Europäer zum Beispiel nach einer Bemerkung von Amerikanern eine bestimmte Gefühlsregung erwarten, können diese schon anders sein. Noch mehr gilt dies im indonesischen Raum, wo selbst so starke Emotionen wie die Trauer anders kommuniziert werden.

Demografie als Chance

Laut statistischem Büro der indonesischen Regierung leben in Indonesien ungefähr 260 Millionen Menschen. Dies macht Indonesien zur viertgrößten Nation der Erde. Zudem ist Indonesien das Land mit der größten muslimischen Glaubensgesellschaft. Allein auf der Insel Java leben mehr als 114 Millionen Menschen. Und das auf einer Fläche in der Größe des US-Bundesstaates New York mit etwas über 10 Millionen Einwohnern.

Nur unter den Indonesiern über 65 Jahre ist die Anzahl der Frauen größer, als die der Männer. In allen anderen Altersgruppen herrscht ein kleiner Männerüberschuss. Jährlich erblicken auf 1.000 Einwohnern ca. 17 Babys das Licht der Welt. Dem gegenüber steht eine Sterblichkeitsrate von ca. 6 Tode je 1.000 Einwohner.

Somit ergibt sich für Indonesien eine Bevölkerungswachstumsrate von 0,92 Prozent. (Alle Daten sind geschätzte Zahlen aus dem Jahr 2015).

Indonesiens Regierung beurteilt diese Daten als „demografischen Bonus“, denn laut Wirtschaftswissenschaftlern bietet diese Demografie für Indonesien eine einmalige Chance, in dessen Genuss das Land und seine Bevölkerung in den nächsten 20 Jahren kommen werde.

Während dieser Zeitspanne wird die Zahl der arbeitsfähigen und ausgebildeten Arbeitskräfte einen Spitzenwert erreichen und parallel dazu die Anzahl der Kinder und älteren Menschen auf einen Tiefstand sinken.

An Selbstbewusstsein mangelt es Indonesien nicht. So hat sich Jakarta im Kreis der G-20 etabliert. Die Wirtschaft in dem ehemals leicht zerbrechlichen Staatsgebilde hat sich stabilisiert und mit ihr zogen auch demokratische Prozesse ein, die für ein muslimisches Land nicht selbstverständlich sind.

Wie positiv sich diese Entwicklung vor allem für junge Menschen und Arbeitskräfte auswirkt, muss noch abgewartet werden. Noch ist der Rückstand gegenüber anderen Staaten der Region groß, doch immer öfter sind Baugerüste und Kräne zu sehen, die nicht nur auf kleine Baustellen hinweisen, sondern auch auf große Projekte wie Hochstraßen, Meereshäfen und Eisenbahnnetze.

Die Schicht der jüngeren und gebildeten Indonesier blickt zumindest optimistisch in die Zukunft und ist durchaus bereit, in sie zu investieren.

Die Schere zwischen arm und reich

Heute zählt Indonesien zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Der Durchschnittsverdienst liegt bei 3.000 US-Dollar jährlich. Allerdings können nur etwa zehn Prozent zu dieser Mittelschicht gerechnet werden.

Nach den Maßstäben der Weltbank gilt die Hälfte der indonesischen Bevölkerung als arm, wobei je nach Region auch durchaus Werte von deutlich über 50 Prozent erreicht werden. Auch die seit 2008 immer weiter steigenden Lebensmittelpreise verschärfen die Lage der Armen. Fast zwölf Prozent der Indonesier lebt seit 2016 unterhalb der Armutsgrenze des Landes.

Die Armut zwischen den Regionen Indonesiens fällt sehr unterschiedlich aus. In den reichsten Provinzen haben die Menschen ein mehr als zehnfaches Einkommen gegenüber denen, die in den armen Regionen leben. Zurzeit leben in Indonesien ungefähr 40.000 Dollarmillionäre und sogar 32 Dollarmilliardäre.

Anthropologische Besonderheit

Gab es vor dem Homo Sapiens schon einen anderen modernen Menschen? Neue Studien könnten beweisen, dass dies genau in Indonesien der Fall war.

Vermutlich schon vor 700’000 Jahren sollen Vorfahren des „Homo Floresiensis“, einer oft „Hobbit“ genannten Menschenart, auf der indonesischen Insel Flores gelebt haben. Dies ergibt eine Analyse von Zähnen und Knochen, die 2014 in Mata Menge gefunden wurden.

Schon im Jahr 2003 wurden in einer Höhle bei Liang Bua erste Überreste gefunden. Und was noch erstaunlicher ist, entdeckten Forscher in der Nähe der Höhle auch Steinwerkzeuge, die etwa eine Million Jahre alt sein sollen. Es muss also schon zu dieser Zeit Vorfahren des Homo Floresiensis gegeben haben. Den Homo Sapiens gab es zu dieser Zeit noch lange nicht. Interessant ist dabei, dass die ältesten gefundenen Werkzeuge des Homo Erectus „nur“ ungefähr auf das Jahr 540’000 v. Chr. zurück zu datieren sind. Die Werkzeuge des Homo Floresiensis sind also wesentlich älter.

Die „Hobbit-Menschen“ hatten eine Größe von nur einem Meter. Laut Aussage der Anthropologen soll es sich um kleinwüchsige Nachfahren des asiatischen Homo Erectus handeln. Diese lebten schon vor einer Million Jahren in Indonesien.

Lange gingen Wissenschaftler davon aus, dass es sich beim Homo Floresiensis um Menschen mit einer Fehlbildung handelte. Neueste Ergebnisse belegen nun, dass der „Hobbit“ nicht nur schon lange auf der Insel beheimatet war, sondern dass er sich überraschend schnell von einem 1,80 Meter großen Homo Erectus zu einem kleinen Menschen von etwa einem Meter Größe entwickelte. Angenommen wird, dass diese rapide Schrumpfung an der isolierten Lebensweise auf der Insel liegt.

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